Reformationsradweg

Mit dem Fahrrad zu den Schauplätzen der Reformation radeln, ob Martin Luther daran Gefallen gefunden hätte? Er selbst lehnte Pilgerreisen in seinen späten Jahren strikt ab. Einen seiner Glaubensbrüder, der nach Santiago de Compostela zum Grab des Apostels Jakobus pilgern wollte, ließ er wissen: „Lass reisen, wer will, bleib du daheim.“ Wer nicht zuhause bleiben will und sein Rad sattelt, kann viele reformationsgeschichtliche Erinnerungsorte entdecken, ob er nun als Pilgerreisender oder als sportlich ambitionierter Kulturreisender unterwegs ist. Auch über 2017 hinaus, dem Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ (und dem 200. Geburtstag des Fahrrads), bleibt eine solche Geschichtstour aktuell.

Dreh- und Angelpunkt einer jeden reformationsgeschichtlichen Spurensuche ist Wittenberg, wo Martin Luther jahrzehntelang wirkte und die neuzeitliche Reformation ihren Ausgang nahm. Die Route des Reformationsradweges konzentriert sich jedoch nicht nur auf die Person Luthers. Der Radler trifft bei seiner Zeitreise zurück ins Jahrhundert der Glaubenskämpfe auf weitere historische Persönlichkeiten und Ereignisse. Dazu zählen Katharina von Bora, die Frau des großen Reformators, schon damals die „Lutherin“ genannt, oder der Mitstreiter Luthers Philipp Melanchthon, auch als „Praeceptor Germaniae“ (Lehrer Deutschlands) verehrt. Ebenso führt der Themenradweg zu Orten, an denen die bildende Kunst der Reformationszeit zu bewundern ist. Vor allem die Kunst der Malerfamilie Cranach steht hier im Mittelpunkt, denn ohne die zahlreichen Bildschöpfungen aus der Cranach-Werkstatt ist die Geschichte des frühen Protestantismus nicht denkbar.

Der Reformationsradweg verläuft auf einer Strecke von rund 450 km durch die drei Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Radtour nutzt bekannte Radfernwege wie den Elberadweg und sie streift die Pilger- und Wanderroute des Lutherweges. Start ist das sächsische Torgau, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit seinem Residenzschloss das politische Zentrum der Reformation. Über Wittenberg mit seinen zahlreichen Gedenkstätten geht es weiter nach Dessau-Roßlau, Köthen, Lutherstadt Eisleben, Allstedt, Weimar, Erfurt und zur Wartburg bei Eisenach am nordwestlichen Ausgang des Thüringer Waldes. Die zum UNESCO-Welterbe gehörende Wartburg ist mit der authentischen Lutherstube weltweit die meistbesuchte Luther-Gedenkstätte. Hier übersetzte Luther, über den der Papst den Kirchenbann und der Kaiser die Reichsacht verhängt hatten, das Neue Testament nach der griechischen Fassung des Erasmus von Rotterdam ins Deutsche. Damit legte Luther den Grundstein für eine einheitliche deutsche Schriftsprache. Mühlhausen und Bad Frankenhausen sind die beiden letzten Stationen der Geschichtstour. Dort dreht sich alles um Thomas Müntzer, den großen Widersacher Luthers, und den Bauernkrieg von 1525. Der Name von Thomas Müntzer steht für den linken Flügel der Reformation, dem beim Reformationsjubiläum kaum Beachtung geschenkt wurde.

(Siehe die Route oben unter „Etappen“.)

Joachim Zeller

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